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Wir müssen reden

  • Autorenbild: Lynn Blattmann
    Lynn Blattmann
  • vor 2 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit
Warum der Entscheid zur Individualbesteuerung so wichtig ist
Warum der Entscheid zur Individualbesteuerung so wichtig ist

Zu meiner freudigen Überraschung wurde am 8. März die Individualbesteuerung angenommen. Zugegeben, in den Details ist der Vorschlag vielleicht nicht nur elegant, aber in ihm steckt etwas enorm Wichtiges: Nämlich die Verpflichtung jährlich einmal über Geld zu reden und zwar in wirklich jeder Ehe.

Bisher war es nämlich bei vielen verheirateten Paaren so, dass kaum mehr zwischen Mein und Dein unterschieden wurde. Das mag sich am Anfang süss und verliebt und passend anfühlen, aber es hat oft den Effekt, dass falsche Bilder entstehen, dass die wahren Verhältnisse und die Differenzen verschleiert werden. So konnte das gemeinsam erworbene Haus, das Erbe der Frau und anderes psychologisch immer mehr in die Tasche des Mannes wachsen und Frauen merkten oft nicht, wie sehr und wie lange sie finanziell von ihrem Mann abhängig waren und wie viel mögliches Einkommen sie sich entgehen liessen.


Die Ehe ist längst keine Versorgerehe mehr, wie viele Frauen heute spätestens bei einer Scheidung schmerzlich feststellen müssen.

Wer sich von seinem Mann weiterhin finanziell versorgen lassen möchte, darf dies natürlich auch weiterhin tun, einfach nicht mehr steuerlich begünstigt.

Das ist sicher richtig so. Weniger richtig ist, dass sich Frauen generell bis heute nicht so sehr für Finanzielles interessieren und sich viele auch nicht so sehr darum kümmerten. Dies sollte sich ändern.

Die Individualbesteuerung bringt hier eine Chance, denn neu muss die Frau nicht nur die gemeinsame Steuererklärung mitunterschreiben, sondern sie muss eine separate Erklärung einreichen. Das heisst, es muss getrennt deklariert werden, davor graut nicht nur manchem sonst fortschrittlich eingestelltem Ehemann, auch viele Frauen scheuen die Diskussion darüber, was denn eigentlich wem gehört und was auf welche Steuererklärung soll, die finanzielle Unselbständigkeit so vieler Ehefrauen wird dann nämlich sichtbar.

Dadurch sind Diskussionen garantiert. Dabei geht es nicht darum, Ehen auseinanderzureissen, wie die Mitte befürchtet, sondern es geht darum, mehr Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Das gilt auch für die Frauen. Die steuerliche Benachteiligung von Fraueneinkommen hat hier ein Wegschauen vieler Frauen begünstigt. Es wurde kaum diskutiert, warum so viele Mütter auch lange nach dem ihre Kinder gross waren, nicht im Traum daran dachten, wieder Vollzeit zu arbeiten. Vielleicht führen diese Diskussionen um die finanzielle Lastenverteilung in einer Familie spätestens beim Ausfüllen der Steuererklärung dazu, dass sich auch einige Männer zu überlegen beginnen, warum nicht auch sie vielleicht etwas reduzieren könnten, wenn ihre Frau ja mehr arbeitet.


Die Vorlage zur Individualbesteuerung zeigt also einmal mehr deutlich: Das Private ist politisch!

 
 
 

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