• Lynn Blattmann

Woke und so


Gesellschaftliche Entwicklungen haben es an sich, dass sie oft unbemerkt an einem vorbei gehen. So wusste ich lange nicht was woke bedeutet.

Kennengelernt habe ich das Wort dann als Schimpfwort gegen Leute, die hohe moralische Werte haben und dafür lauthals eintreten.

Da ich ursprünglich aus der grünen Bewegung komme, dachte ich, dass man gar nicht zu schrill für eine Sache eintreten kann. Ich glaube fest an den Wert einer kritischen Diskussion und mir gefallen Leute die gute Argumente haben und die pointiert auftreten. Langweiler ohne eigene Meinung sind mir unsympathisch. Lieber eine andere Meinung als gar keine, finde ich. Meistens finde ich mit Andersdenkenden sogar noch eine gemeinsamae Basis, erst wenn das nicht mehr möglich ist, wird es schwierig.

Ich wusste auch nicht was Cancel-Culture ist, offen gestanden glaubte ich, das sei eine Unsitte der Deutschen Bahn die meisten Züge ausfallen zu lassen bis ich naiverweise in einen Shitstorm geriet, der mich sehr nachdenklich machte.


J.K. Rowling soll unmöglich sein, Alice Schwarzer auch


Ich gebe zu, ich habe Harry Potter nicht gelesen, weil ich schon erwachsen war als die Bände erschienen, nicht mal den Film habe ich gesehen. Ich weiss aber wer J.K. Rowling ist und ich habe grossen Respekt vor ihrer Leistung, nicht aufgegeben zu haben als sämtliche Verlage ihren Erstling ablehnten. Ich habe vor einigen Jahren am Internet ihre Rede vor den Harvard Studierenden angehört. Sie sprach über die Vorteile des Versagens. Ich fand, sie hat Humor, sie kann offenbar nicht nur gut schreiben, sondern auch wirklich gute Reden halten. Ihre Gedanken waren scharf, kühn und mehrdeutig, ich mochte sie.



Natürlich bekam ich dann auch mit, als sie in den Shitstorm geriet, weil sie sich wehrte gegen neumodische Bezeichnungen für weibliche Menschen, ihren Einwand, früher hätte man zu solchen Personen einfach Frauen gesagt, fand ich elegant und auch witzig für eine Diskussion, die bei aller Berechtigung in meinen Augen auch Grenzen hat. Was dann geschah erschreckte mich allerdings. Ich konnte es nicht glauben. Bei allem Verständnis für Minderheiten und gesellschaftliche Innovation verstand ich nicht, wie gründlich Rowling nach diesem Tweet demontiert wurde. Dasselbe geschah mit Alice Schwarzer, die eine andere Deutung nahelegte für den Anstieg der Zahl junger Frauen, die ihr Geburtsgeschlecht aufgeben wollten. Ich las was es dazu zu lesen gab, hörte auch Ayaan Hirsi Ali zu, die ebensosehr angefeindet wurde.

Und ich kann bis heute nicht verstehen, was so falsch sein soll an den Argumenten dieser Frauen. Natürlich bin ich nicht mit allem einverstanden, was sie sagen, aber sie sind mir immer noch näher als einige Bundesratskandidaten.

Ich wurde gewarnt: Als ich die drei Frauen argumentativ verteidigte wurde mir zugeraunt, ich solle das doch besser bleiben lassen, weil ihre Meinungen wirklich völlig jenseits seien. Aber ich kann es nicht lassen, ich bin altmodisch, ich glaube an die Meinungsfreiheit und an Argumente. Was finden Sie?


(Das Referat beginnt bei Minute 10, bitte vorspulen)


Weil ich davon überzeugt bin, dass man Meinungen bilden kann, poste ich oben die Links zu zwei Reden der beiden Genannten.



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